Der Sakki-Test (Godan-Test)


 Hatori    02.06.2019 - 16:32

Was passiert mit mir? Was wird sich ändern?

Es ist nun rund vier Wochen her seit ich meinen Sakki-Test bestanden habe. Ich kann Euch nicht sagen, was dieser Test mit Euch machen wird, aber ich will Euch erzählen, was vor, während und nach dem Test in mir vorgegangen ist und noch vorgeht.

Eigentlich wollte ich den Test gar nicht machen, die Gründe dafür sind vielfältig, der wichtigste aber war, dass es keinen Lehrer mehr gab, dem ich vertrauen konnte. Doch dann kam die Gruppe in Spandau, was bedingte, dass wir regelmäßig zu Thomas Stolz nach Elsterwerda gefahren sind (und noch fahren). Ich kannte Thomas schon lange, so war er die erste Wahl für mich, meine Schüler zu Tests vorzustellen. So entwickelte sich aus der Freundschaft, die wir schon lange hatten, ein Vertrauen, welches mich über meine Entscheidung nachdenken ließ.
Dennoch dauerte es sehr lange, bis ich mich entschloß, mich hinzusetzen. Das hatte nun zwar auch mit Vertrauen zu tun, aber nicht dem zum Lehrer sondern dem zu mir selbst.

Und da bin ich beim ersten Tipp, den ich Euch geben möchte: Lasst Euch nicht drängen, wer mit sich selbst noch nicht im Reinen ist, der sollte den Test nicht machen. Ein Prinzip von Thomas ist es, dem Schüler selbst die Entscheidung zu überlassen, wann er den Test machen will. Er gibt seine Zustimmung und von da an hat jeder die völlige Freiheit zu sagen, wann er sich bereit fühlt. Das macht einen großen Unterschied zu den Lehrern, die nur ihre Statistik im Kopf haben, man könnte ja einen Godan weniger haben als andere. Und da liegen die Wurzeln meines Vertrauens zu Thomas, ihn interessieren Statistiken genauso viel wie der Sack Reis, der in China umfällt, wahrscheinlich sogar weniger. Ihm geht es einzig und allein um den Menschen.

Vor einem guten Jahr kam Thomas und gab mir seine Zustimmung für den Test. Doch so schnell schießen die Preussen nicht, ich bin zwar nicht mehr der jüngste, aber trotzdem nehme ich mir immer noch die Zeit, die ich brauche. Zuviele Entscheidungen in meinem Leben habe ich überstürzt getroffen (ja, ich war 3x verheiratet) und viele davon waren nicht richtig. Letztendlich bereue ich nichts davon, schließlich und endlich haben mich diese Entscheidungen zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.
Seit Anfang/Mitte Februar - ja, weiß ich sehr genau, ich habe auch gelernt, mich selbst zu beobachten - habe ich angefangen darüber nachzudenken, wie ich mich hinsetzen soll. Wer mich kennt, der weiß, dass ich mit dem rechten Bein nicht mehr in Seiza runterkomme. Also habe ich wieder Thomas gefragt, wie das gehen kann. Und er beruhigte mich, es muss nicht zwingend Seiza no Kamae sein. Gut, das war geklärt.
Worauf ich aber hinaus will: Ich hatte angefangen, darüber nachzudenken. Und das hieß für mich, ich konnte es tun. Anfang April waren wir dann noch beim Katana-Seminar, was mir Gelegenheit gab, nochmal mit Thomas zu reden. Ein weiterer Punkt, auf den man sich bei ihm immer verlassen kann - er nimmt sich Zeit für seine Schüler.
Sicher war ich immer noch nicht, aber sicher genug um mich zum Kihon Shido im Mai 2019 für den Test anzumelden. Und nachdem ich diese Entscheidung getroffen und die Anmeldung abgeschickt hatte, kehrte eine tiefe innere Ruhe ein. Jetzt war ich sicher, es würde gehen, ich kann es.

Kommen wir nun zum Test selber. Wie wohl jeder von Euch habe ich mir auch desöfteren Videos in Youtube angesehen. Ich sage Euch, ein Sakki-Test bei Thomas hat damit nichts zu tun.
Der Himmel hatte wohl ein Einsehen mit uns zwei Prüflingen und es hörte während des letzten Trainings auf zu regnen, es trocknete soweit ab, dass der Test draußen im Schwarzgurtgarten stattfinden konnte. Nach den Anweisungen von Thomas holten wir Holz für die Feuerschale und entzündeten es. Danach wurden die Zettel geschrieben auf denen unsere Wünsche für die Zukunft standen (nein, ich verrate Euch nicht, was auf meinem stand). Als das Feuer dann gut brannte, wurden diese Zettel dem Feuer übergeben, der Rauch trug die Wünsche zum Himmel. Ob die Götter sie lesen - keine Ahnung, das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass ich bzw. irgendwann Ihr, die Ihr das lest und den Test noch vor Euch habt, fest zu den Traditionen steht, sie machen durchaus Sinn.
Mein Mitstreiter (ich sag den Namen hier nicht, weil ich nicht weiß, ob ihm das Recht ist), war als erster dran und so konnte ich Thomas beobachten. Ich glaube, seine Aufgabe war noch schwerer als unsere. Er hatte Freunde vor sich sitzen, langjährige Freunde, denen er nun glaubhaft den Gedanken schicken musste, sie töten zu wollen. Dann fiel das Schwert und mein Kollege war weg, sauber nach vorn rausgerollt.
Nun war ich dran und schon musste ich lächeln: Thomas hatte für mich einen Hocker mitbringen lassen. Ich setzte mich also, schloß die Augen und harrte der Dinge, die nun kommen sollten. "Stirb" hämmerte es in meinem Kopf und nun zeigte sich der Nachteil des Hockers. Meine Bewegung kam zwar zum richtigen Zeitpunkt, aber nicht weit genug, die Adhäsionskräfte des Hockers waren stärker als meine Bewegungsenergie, ich wäre gestorben. Thomas erbat sich zwei Minuten Pause um wieder Kraft zu sammeln und wir machten es nochmal. Diesmal reichte es, das Schwert sauste an meinem Kopf vorbei.

Es folgte nun der Teil, der mir immer ein wenig peinlich ist - die lange Schlange der Gratulanten. Ich war froh und erleichtert. Mehr aber in diesem Moment auch noch nicht. Es war ein schöner, unvergesslicher Augenblick, die Gesellenprüfung war abgeschlossen und bestanden.

Wer von Euch bereits im Berufsleben steht, der weiß aber auch, dass die Gesellenprüfung nicht bedeutet, dass man nun alles über den Beruf weiß und alles kann. So ist es auch hier - das Lernen fängt jetzt erst richtig an. Dazu kommt eine nochmals gestiegene Verantwortung für die Schüler. Nicht nur diejenigen in unserem Dojo, auch für die, die bei Seminaren zu einem hinsehen und voraussetzen, ein fünfter Dan wird schon wissen, was er tut. Und diese Erwartung hegen sie völlig zurecht, wer wenn nicht wir soll ihnen zeigen, wie der Hase läuft. Also heißt es ab jetzt noch intensiver lernen, das Gefühl mit- und rüberbringen. Es bedeutet nicht, besonders komplizierte Techniken besonders schön zu zeigen (das überlasse ich den Posern, davon gibt es genug), nein, es heißt, auf die Kleinigkeiten zu achten, die jede Technik erst effektiv machen. Es bedeutet auch, noch einfachere Worte zu finden, um diese Kleinigkeiten verständlich ins richtige Licht zu setzen. Wer also meint, mit dem Sakki-Test hätte er das "Schlimmste" hinter sich, der irrt gewaltig - es fängt gerade erst an.

Beim Kihon Shido 2018 hat Thomas dafür einen sehr schönen Vergleich gebracht: "Mit dem ersten Dan hebt man ab zum Flug in den Himmel (Ten). Mit dem vierten Dan knallt man erbarmungslos auf den Boden zurück (Chi). Mit dem siebten Dan dann steht man wieder auf und wird zu dem, was wir sein sollen, ein Mensch (Jin)."
Das trifft es sehr genau, ich habe es beim vierten Dan nicht sofort gemerkt, aber ja, der Aufprall war heftig. Ich kann mich auch noch an den Tag erinnern, als ich den ersten Dan bekam und auch da war es, wie von Thomas beschrieben - himmelhoch jauchzend. Nun ja, ob ich die "Auferstehung" zum Menschen noch erlebe, wird die Zeit zeigen, ich hab es damit eigentlich nicht eilig. Ich werde meinen Weg weiter gehen, geduldig, auf meinen Lehrer und meine Schüler vertrauen und mich über das freuen, was noch kommt.

Als kleinen Teil meines Dankes an Thomas habe ich auch den Namen unseres Dojos leicht verändert - wir sind nun die "Schwarzen Phönixe", Kuroi Fenikkusu.

Hier noch ein paar Bilder vom Schwarzgurtgarten (Kuro Obi Niwa). Auf der Homepage des Vereins gibt es auch ein kleines Video zur Entstehung des Gartens.

Der Eingang

Schwarzgurtgartenelsterwerdaeingang

Der Blick hinein in den Garten

Schwarzgurtgartenelsterwerda

Mein Baum 

Meinbauminelsterwerda