Ziele setzen


 Hatori    01.12.2019 - 10:00
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Ziele sind gute Anhaltspunkte, man sollte sie richtig setzen

Ziele setzen hört sich ganz leicht an, ist es das aber auch? Wie oft hören ich von jungen Schülern, die mal gerade den ersten Test hinter sich haben, ihr Ziel ist natürlich der 15. Dan. Kann man machen, sollte man das aber auch?
Als Langzeitziel ist es natürlich angesagt, jedoch ist die menschliche Psyche nicht für Zeiträume von vielen Jahren gemacht, sie will regelmäßige Erfolge, also das Erreichen eines gesetzten Ziels. Wer sich nun direkt am 15. Dan festbeißt ... nun ja, 20 bis 30 Jahre kann das schon dauern. Soweit reicht jedoch bei den allermeisten (jungen) Menschen die Geduld nicht. Hier mal mein Vorschlag, wie Ihr Eurer Psyche sinnvolle Ziele mit Erfolgserlebnis anbieten könnt.

Ersten Test bestehen
Der erste Test ist im Schüler-Dasein etwas ganz besonderes. Zum ersten Mal darf man einem Meister sein bisher erworbenes Wissen und Können zeigen. Man wird den weißen Gürtel los und darf endlich Farbe tragen (rot oder grün). Oft wird der 10. Kyu direkt übersprungen, mit dem 9. Kyu darf man sich auch das Patch auf die Jacke nähen (lassen). Das wird zwar später nebensächlich, aber in diesem Moment ist man doch sehr glücklich - geschafft.
Und die Psyche ist auch zufrieden, sie hatte ihr Erfolgserlebnis und wartet nun auf das nächste Ziel.

Fünfter Kyu
Beim bestandenen 5. Kyu passiert etwas im Kopf, bei weitem nicht so heftig wie beim Sakki-Test, aber es passiert etwas. Warum? Weil man damit zum Deshi wird - der älteren Schwester oder dem älteren Bruder. Anfänger schauen schon mit einer gewissen Bewunderung auf einen Deshi, fragen hier und da um Rat. Aber nicht hochnäsig werden, Du hast noch einen weiten Weg vor Dir.
Und was sagt Deine Psyche dazu? Nun, sie ist zufrieden und verlangt nach mehr.

Erster Dan
"Endlich Meister, endlich Shinobi, hurra, ich bin der Größte." Das erzählst Du aber nur Deiner Psyche, dem Rest Deines Egos sagst Du die Wahrheit: Das Du zwar auf dem Flug in den Himmel bist (Ten), aber es noch ein paar Jahre dauern wird, bis Du tatsächlich ein Meister bist.

Vierter Dan
Der große Absturz und der dumpfe Aufschlag auf dem Boden der Tatsachen (Chi) - nicht der Psyche erzählen, die interessiert nur, dass das Ziel erreicht ist. Warum Absturz? Eigentlich sollte man doch stolz sein auf den vierten Dan? Sollst Du auch sein, tolle Leistung bis hier her. Nur kommt jetzt das große Grübeln, wie Du das mit dem Sakki-Test anstellen sollst, vor allem wann.

Fünfter Dan
Geschafft, keine Tests mehr ab jetzt. Sei Stolz auf Dich und freue Dich, zeige Dich dankbar jedem gegenüber, der Dir geholfen, Dich bis hierher begleitet hat. Und sag Deiner Psyche Bescheid, hey, guck, sei zufrieden mit mir. Machen wir uns aber nichts vor, das Glück und die Psyche sind Huren, auf ersteres kann man sich nicht verlassen, die zweite ist gierig und will immer mehr. Also bitte, bieten wir ihr was an.

Siebenter Dan
Die Bilder werden klarer, die Energie beginnt freiwillig zu fließen und ziert sich nicht mehr wie eine Jungfrau. Du bist soweit und kannst aufstehen vom Boden und Mensch werden (Jin). Du fängst an, die erlernten Regeln zu biegen, noch nicht, sie zu brechen.
Und Deine Psyche? Die meckert schon wieder, hat sie doch keine Ahnung von der Bedeutung der magischen Sieben.

Zehnter Dan
Shihan - hört sich gut an, ist aber wohl so ziemlich die gefährlichste Stelle für das Ego. Wenn Du jetzt nicht aufpasst und charakterlich gefestigt bist, wird Dein Ego ganz schnell überfordert sein und Purzelbaum schlagen. Also halt Dich zurück, aber lass Deine Psyche sich austoben, ignorier sie dabei, die beruhigt sich auch wieder.

Fünfzehnter Dan
Fertig. Wirklich? Es werden keine weiteren Graduierungen mehr kommen, vielleicht ein paar Titel (z.B. Dai Shihan, ist inzwischen Massenware, kann man haben, muss man aber nicht), aber theoretisch hast Du die Spitze des Berges erklommen. Und die Psyche? Was bieten wir ihr jetzt an? Du hast Schüler, jetzt werden deren Ziele zu Deinen, so einfach ist das. Nebenbei gesagt: Manchen Schülern muss man auch mal ein Ziel aufdrücken, mit sanfter Gewalt. Es gibt Menschen, bei denen geht es nicht anders.
Bei mir ist das jetzt schon so, denn meine Psyche weiß, dass sie das letzte Ziel in der Liste nicht erleben wird, es ist zumindest sehr unwahrscheinlich. Es sind nur noch zwei Monate bis zum 62. Geburtstag und ich bin "erst" beim fünften Dan. Ja und, wo ist das Problem? Wichtig ist doch nur, realistische Ziele zu setzen, welches Ziel das ist, ist sekundär - REALISTISCH muss es sein.

Was hier oben als Beispiel für einen Schüler des Ninjutsu beschrieben steht, lässt sich problemlos auf jeden Bereich des Lebens übertragen. Ob es die Karriere, das geplante Haus samt Familie oder einfach nur der Weg zum Millionär ist - klar definierte Ziele setzen und mit Geduld, Ausdauer und Zielstrebigkeit mit kleinen, aber unaufhaltsamen Schritten darauf hin arbeiten.

Betrachten wir das Ganze aus Sicht des Universums, dann bräuchten wir keine Ziele. Der Mensch ist aus dieser Sicht nicht hier, um Aufgaben zu erledigen sondern um Erfahrungen zu sammeln. Doch mal ehrlich - da hat das Universum irgendwas falsch designt, denn ein Mensch ohne Aufgabe treibt einfach nur in den Wellen umher, er wird nirgends ankommen. Die Psyche besteht aber auf "ankommen". Bis man das Leben so gelassen sehen kann, wie es das Universum vorgesehen hat, dauert es sehr, sehr lange, die meisten Menschen erreichen diesen Zustand nie - zumindest nicht in diesem Leben.

Fügen wir uns also den Erfordernissen unserer Psyche und geben Ihr erreichbare Ziele. ... Mal drüber nachdenken ...

Wir vom Kuroi Fenikkusu Dojo wünschen Euch eine friedliche Adventszeit, ein geruhsames Fest und einen fröhlichen Jahreswechsel.
Weihnachtszeit