Ninjutsu - Training oder Lebensphilosophie?

Man kann Ninjutsu trainieren, man kann es auch leben, beides ist möglich - aber nur Ninjutsu leben wird dafür sorgen, dass der Weg des Kriegers beschritten wird und dieser Weg kein abruptes Ende findet.

In der heutigen Zeit wollen Menschen am liebsten alles auf einmal und sofort. Die Jugendlichen "hängen ab" mit ihren Kumpels, spielen an Computer oder Konsole, ziehen um die Häuser, beschäftigen sich mit Freund oder Freundin. Die Erwachsenen haben nichts als Sorgen, das Geld reicht vorn und hinten nicht, die Familie ist unzufrieden, ein 12-Stunden Arbeitstag keine Seltenheit.

Beiden, Jugendlichen und Erwachsenen, ist gemeinsam, dass sie sich für Ninjutsu dann bestenfalls zweimal die Woche zwei Stunden Zeit nehmen und zum Training gehen. Ja, kann man machen, man tut zumindest etwas für den Körper, schaltet kurzfristig vom Alltag ab und schiebt die Sorgen in den Hintergrund. Mit "Ninjutsu" hat das aber wenig bis gar nichts zu tun.

Ich möchte kurz zitieren: "Ninjutsu ist die Kunst des ausdauernden Herzens oder die Kunst der Ausdauer und Beharrlichkeit, welches sich aus der Übersetzung des japanischen Schriftzeichens Nin lesen lässt. Dieses Schriftzeichen besteht aus zwei Teilen: der "Klinge", welche über dem Zeichen für "Herz" steht. Daraus ergibt sich das Herz, welches die Klinge überdauern muss. Diese Kombination hat in Japan die Bedeutung von Ausdauer und Beharrlichkeit. Jutsu bedeutet einfach die Kunst."
Das muss man zunächst verstehen und verinnerlichen. Und diese Ausdauer-/Beharrlichkeitsanforderung verträgt sich nicht mit der Einstellung, 2x die Woche Training und ansonsten nichts tun. Wer mit dieser lapidaren Einstellung an das Erlernen von Ninjutsu herangeht, wird - vielleicht - kämpfen lernen, er wird aber nie ein Ninja.

Ich erzähle Euch einfach mal, wie das bei mir läuft, zumindest in groben Zügen - und nicht jeder Tag ist gleich. Natürlich kann das jemand mit Arbeit oder der zur Schule muss, nicht eins zu eins nachmachen, aber vielleicht lernt man was draus.
Noch beim morgendlichen Aufstehen läuft ein wenig Streching, auf dem Weg ins Badezimmer hab ich das erste Mal die Sashin no Kata gemacht, mindestens aber etliche verschiedene Schläge und Tritte geübt. In der Zeit, die dann die Hunde für die Morgenrunde brauchen, denke ich darüber nach, was beim nächsten Training gemacht werden kann. Wenn wir nach Hause kommen, läuft die erste Facebook-Session. Bilder gucken, Beiträge lesen, Videos gucken usw. Danach muss auch ein wenig um den Gelderwerb gekümmert werden, also Stelleninserate studieren, Bewerbungen schreiben, sich um die Post kümmern.
Und schon ist es Zeit für die Mittagsrunde mit den Hunden. Die Zeit mit den Hunden ist perfekt zum Nachdenken und auch zum Üben, sofern das Wetter es zulässt - rollen, stürzen, Kamaes, Schläge, Tritte, eben alles, was man Solo machen kann ... und man kann viel machen. Wenn wir nach Hause kommen, liegt schon das ein oder andere Buch zum Thema auf dem Tisch, genauer gesagt, die liegen eigentlich immer auf dem Tisch, diese Bücher schaffen es selten ins Bücherregal. Die Lektüre allein bringt keinen Erfolg, ich gehe also jeden Schritt, jede Bewegung in Gedanken durch. Nicht alles steht in einem Buch, man muss auch zwischen den Zeilen lesen und - ganz wichtig - man muss das Prinzip finden und verstehen. Unsere Formen sind seit hunderten von Jahren erprobt und sie funktionieren. Das Problem ist, dass die äußeren Umstände sich in dieser Zeit verändert haben. Es kommt heute nicht so häufig vor, dass mir jemand in voller Rüstung und mit einem Schwert entgegenkommt. Aber es könnte sein, der Typ hat schwere Lederklamotten und einen Sturzhelm an (sorry, nur ein Beispiel, das soll keinesfalls die Biker in ein schlechtes Licht setzen, ich fahre auch, wenn ich die Gelegenheit habe). Und er schwingt eine Baseballkeule. Und schon haben wir wieder die Rüstung, was gegen ein Schwert geht, geht auch gegen eine Keule. DAS ist es, was man verstehen muss, auch wenn die Umstände andere sind, bleibt das Prinzip gleich.
Ok, weiter im Tagesablauf, es ist inzwischen Zeit für die Abendrunde mit den Fellnasen, wieder Zeit zum Nachdenken. Danach die zweite Facebook-Session, etwas intensiver als vormittag. Vorm Schlafengehen noch ein wenig Gymnastik. Mein Körper, besonders die Gelenke, wollen das eigentlich nicht, trotzdem muss es sein, man will ja nicht ganz versteifen. Der Weg ins Bad läuft wie früh.

Ninjutsu lehrt uns aber noch viel mehr, gerade für das Leben außerhalb des Trainings - Geduld, Ausdauer, Selbstsicherheit, Gerechtigkeitssinn, Schwächeren beistehen. Letzteres hat nicht zwingend damit zu tun, sich zu prügeln, man kann auch mal ein paar Cent aus der Tasche holen und einem Obdachlosen zustecken oder - was ich bevorzuge - einem Hungernden ein Wurst spendieren, jemandem mit Durst etwas zu trinken kaufen. Das macht nicht arm, aber es hilft - und das Karma wird es auch noch verbessern, ein schöner Nebeneffekt.
Die steigende Selbstsicherheit holt Euch aus der Opferrolle, nicht nur gegenüber Leuten, die mit physischer Gewalt drohen oder sie gar ausüben, nein, auch der Chef wird merken, dass er mit Euch nicht machen kann, was er will. Wenn Ihr selbst Chef seid, wird sich Euer Verhalten gegenüber Euren Angestellten ändern. Ihr müsst sie nicht mehr niedermachen damit sie tun, was sie sollen. Ihr könnt sie durch freundliches, aber sicheres Verhalten lenken.
Ihr lernt wieder, Euch natürlich zu bewegen und natürlich zu leben, die Natur zu achten und zu schützen, die Liebe zu allen Lebewesen wird sich wieder einstellen - falls sie abhanden gekommen sein sollte.

Das alles ist Ninjutsu, Kampftechniken ist nur ein kleiner Teil davon. Nur wer 24/7 Ninjutsu lebt und übt, der wird auch ein echter Ninja. Wer sich nur auf die Kampftechniken konzentriert, wird bestenfalls (oder sollte ich sagen schlimmstenfalls?) ein durchschnittlicher Assassine - und wer will das schon.

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Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird, zu leben.
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