Mark Lithgow zur Dojo-Etiquette

Dies ist ein Beitrag von Mark Lithgow in Facebook. Ich versuche diesen möglichst genau zu übersetzen, bedenkt aber bitte, dass mein englisch nicht das allerbeste ist. Deswegen findet Ihr den Original-Beitrag von Mark unter meiner Übersetzung. Sollten sich in der Übersetzung grobe Fehler eingeschlichen haben, bitte ich um Korrektur.
Ich empfinde diesen Beitrag als sehr wichtig auch für meine Schüler. Da sind immer einige dabei, da vermisst man nicht nur die Dojo-Etiquette, nein, man hat das Gefühl, es fehlt vollständig an Etiquette/Manieren. Da wird gefurzt, dazwischen gequatscht, Aufhören- oder Anfangen-Kommandos ignoriert - streckenweise hat man das Gefühl, jeder macht, was er will, keiner, was er soll und alle machen mit. Nein, alle nicht, es hält sich in etwa bei 50:50. Das ist jedoch nicht akzeptabel, um ein guter Kämpfer/Ninja zu werden, ist eine erste Bedingung Höflichkeit, Respekt vor dem Trainingsort, dem Lehrer und untereinander und Disziplin. Ich sehe schon über einiges hinweg, das Training soll nicht wie beim Militär ablaufen, Spaß gehört dazu. Wenn es jedoch übertrieben wird und die Freundlichkeit des Lehrers als mangelndes Durchsetzungsvermögen interpretiert wird, dann wird es nur noch Chaos geben und niemand kann etwas lernen.
Hier nun der Text von Mark. Dieser ist stellenweise sehr speziell für das Honbu-Dojo, das macht aber nichts, man kann ihn so ziemlich gleich auf jedes beliebige Dojo anwenden.

An alle meine Freunde im Bujinkan,

in der vergangenen Woche hatte ich ein Gespräch mit Soke in seinem Haus. Es ging um die Dojo-Manieren (Etiquette). Soke sagte, diese Dinge sind sehr wichtig und müssen an alle Bujinkan Mitglieder weitergegeben werde. Heute (Sonntag, 10. Mai 2015) nun ließ er mich vor der Klasse aufstehen um diese Dinge an die Anwesenden weiterzugeben.

Dojo-Etiquette kann von Schule zu Schule variieren, selbst von Dojo zu Dojo innerhalb einer Schule. Die meisten Menschen lernen die richtige Verhaltensweise durch das Beobachten anderer Leute, die bereits wissen, wie es richtig ist. Doch in diesen Tagen haben wir soviele Menschen, die ganz neu sind, das sie kaum Leute haben, die als Vorbilder dienen und von denen sie lernen können. Ich selbst verspüre manchmal die Notwendigkeit, mich als Manieren-Polizei zu betätigen. Einerseits fühle ich mich nicht gut dabei, anderseits ist dieser Dojo mein zu Hause, meine Heimat. Ich bin seit fast drei Jahrzehnten Mitglied dieses Dojos, nicht nur Besucher. Und so ist es eigentlich meine Pflicht, Besucher zu unterweisen, wie sie sich im Dojo zu verhalten haben.

Während ich dies mit Sensei diskutierte, wurde sehr schnell offensichtlich, dass er stark an der Etiquette hängt. Er mag es zwar locker, dennoch hält er sie ein, erwartet das auch von anderen und respektiert die Menschen besonders, die gute Manieren haben. Als Soke sollte er sich um nichts kümmern müssen: Dojo betreten, unterrichten, Dojo verlassen. Der allgemeine Ablauf sowie Wartung und auch Reinigung des Dojos sind nicht die Aufgaben von Soke, dafür sind andere zuständig. Voran die Shihane, welche die "Arbeit" einteilen und beaufsichtigen. Er sagte, auf Grund meiner Erfahrung mit und im Dojo, auch in anderen Künsten, wüsste ich wohl genau, wie man ein Dojo behandelt und wie die Etiquette läuft. Offenbar wäre ich daher die richtige Person um seine Worte/Ansichten anderen zu überbringen.
Und dann sagte Soke noch etwas sehr wichtiges: "Wie können wir erwarten von der japanischen Kampfkunstwelt ernst genommen zu werden, wenn unsere Dojo-Etiquette so lax ist?"

Ich sprach heute - auf Sokes Aufforderung - im Dojo über drei Punkte. Ich denke, es wird noch mehr kommen, doch diese drei Punkte sind ein guter Start. Ich fühle, dass ich dies mit der Zeit wiederholen muss und das solange, bis es genügend Beispiele gibt und jeder neue Besucher lernen kann, wie er sich verhalten soll und es so zu einem echten Bestandteil unserer Dojo-Kultur wird. Eigentlich sollte der gesunde Menschenverstand jedem Menschen diese Dinge von selbst sagen, doch was ich in letzter Zeit im Dojo sehe, lässt mich daran zweifeln. Also müssen wir darüber reden um die Dinge zum Besseren zu ändern.

1. Verbeugung beim Betreten und Verlassen des Dojos
Sich beim Betreten und Verlassen des Dojos zu verbeugen, ist in Japan ein ganz normaler Vorgang. Japaner verbeugen sich auch, wenn sie ihr Büro betreten/verlassen, im Supermarkt, in der Fabrikhalle.
Ich muss zugeben, dass ich selbst ein wenig faul geworden bin in der Beziehung. Als das neue Honbu-Dojo gebaut wurde, habe ich Soke darauf angesprochen und es mir selbst zur Regel gemacht habe, diese Faulheit wieder zu überwinden. Das Dojo muss respektiert werden. (Anm.: In Japan ist der Dojo nicht nur der Raum, in dem das Training stattfindet, es sind auch die Geister, die darin wohnen, die anderen Trainierenden, die Lehrer, das Gefühl insgesamt. Man ehrt also durch die Verbeugung nicht nur den Raum, sondern die Gesamtheit, alles, was mit diesem Raum verbunden ist.)
Eigentlich sollte man sich sogar zweimal verbeugen: Einmal am Haupteingang und ein zweites Mal beim Betreten des eigentlichen Trainingsraumes. Soke sieht das jedoch selbst nicht so eng und sagt, die Verbeugung am Haupteingang wäre optional. Die Verbeugung beim Eintritt in den Trainingsraum, auf die Matten, ist jedoch unerlässlich. Wenn man die Schwelle überschreitet - Stopp, Pause, Verbeugung, Pause ... und dann den Raum endgültig betreten. Man verlässt damit die Außenwelt, geht praktisch in den Trainingsmodus über. Beim Verlassen des Dojo dann dasselbe, es reflektiert die Rückkehr in die "reale" Welt.
Es sollte auch nur einmal gemacht werden. Wer zwischendurch an seine Tasche will, die im Vorraum steht, die Toilette benutzen will oder es eine sonstige Unterbrechung gibt, bei der man den Trainingsraum verlässt, sollte das Verbeugen unterlassen. Es ist nur zum Umschalten von Außenwelt auf Trainingsmodus und zurück von Wichtigkeit.

2. Schuhe in der Tür
Die einfache Idee dahinter ist, dass das Innere innen ist und das Äußere außerhalb bleibt - und dies sind zwei getrennte, separate Orte. Wenn wir im Dojo trainieren, dann tragen wir Hausschuhe, in der Regel Tabi - Indoor Tabi. Diese können Tuch oder Ledersohlen haben. Tabi mit Gummisohle (Jika Tabi) sind Outdoorbekleidung und werden niemals im Dojo getragen. Also Hausschuhe für den Innenbereich, Schuhwerk für Training im Freien. Die Grenze ist die Holzplatte auf dem Boden auf der Genkan (Eingang). Die Holzplatte ist im Innenbereich. Vor einigen Wochen fand ich eine größere Anzahl von Schuhen auf den Holzplatten. Betritt man nun mit den Indoor-Tabi die Platten, werden sie schmutzig und schließlich und endlich wird dieser Schmutz ins Dojo getragen. Wer kurz rauchen gehen will oder aus anderen Gründen den Innenbereich verlassen muss, der sollte unbedingt in seine Schuhe schlüpfen und diese draußen auch nicht ausziehen. Bitte tut Euer möglichstes, keinen Schmutz ins Dojo zu tragen.

3. The Shômen wall (die Stirnwand)
Die Shomen Wand (im Honbu-Dojo gegenüber vom Eingang) enthält die Kamiza. Diese wird als heiliger Teil des Dojos angesehen und sollte/muss mit Respekt behandelt werden. Es ist keinesfalls ein Ort, um dort persönliche Gegenstände abzustellen. Außer den Dingen, die dort wirklich der Tradition entsprechend hingehören, sollte dort nichts abgestellt werden. Unter dem Kamiza im neuen Dojo ist eine Art Alkoven. Dieser wird als kleine Anzeigefläche für Statuen usw. Verwendung finden. Auf gar keinen Fall ist es ein Ort für Taschen, Trinkflaschen ... und schon gar nicht als Sitz- oder Standfläche für Menschen. Eigentlich ist die gesamte Vorderwand in derselben Weise zu behandeln wie die Kamiza selbst, sie wird als Verlängerung der Kamiza betrachtet.

Dies waren die Punkte, die heute besprochen wurden, doch möchte ich gern einige Worte hinzufügen zu Dingen, die ich heute bemerkte und die eine Erwähnung rechtferigen.

Zum Ersten: Wenn in der Mitte des Dojos eine Technik gezeigt wird, nehmt bitte Rücksicht auf andere, die auch etwas sehen wollen. Ich war heute der Übersetzer und versuchte daher etwas an Soke zu sein. Obwohl ich knieend recht weit vorn war, hatte ich Menschen stehend vor mir. Etwas mehr Rücksicht bitte, alle wollen lernen und mal über die Schulter zu schauen, ob man jemandem durch eine kleine Bewegung auch einen freien Blick gewähren kann, ist nur eine sehr kleine Mühe.

Zum Zweiten: Wenn man während des Trainings die Trainingswaffen benutzt, sollte es selbstverständlich sein, dass man diese wieder dort ablegt, wo man sie hergenommen hat. Nach dem Training saugen immer einige Leute den Dojo (Freiwillige, jeder ist dazu willkommen). Es ist nicht deren Aufgaben, anderen ihr Zeug nachzuräumen. Es ist nur eine kleine Mühe, alles selbst wieder dorthin zu bringen, wo man es hergenommen hat.

Wie auch immer ... Ich wollte die Facebook-Gemeinde nur wissen lassen, was im Hombu-Dojo heute gesagt wurde. Es soll helfen, grundsätzlich die Etiquette zu bewahren und besonders denen eine Hilfe sein, die beabsichtigen, das Honbu-Dojo zu besuchen.

Hier der Text im englischen Original von Mark


To all my Bujinkan friends:

I had a chat with Soke at his house last week regarding ‘dojo manners', and he said that these things were important to pass on to all Bujinkan Dojo members. Today (Sunday May 10th, 2015), he had me stand up in front of the class to pass them on to the people present.

Dojo etiquette can vary from school to school, and even from dojo to dojo within one school such as the Bujinkan. It is often learned by simply watching other people who know better. Unfortunately, these days we have so many people coming through the new Honbu Dojo, and because most people are new to the place, they don’t have many good examples to watch in order to know how things should be done. I myself have often felt the need to intervene, and play ‘manners police’. I sometimes feel a little bad doing it, but on the other hand, this my home dojo. I am a member of this dojo, not a visitor, and I have been now for close to 3 decades. It is actually my ‘duty’ to instruct visitors in how to behave in my dojo.

When discussing this with Sensei, it soon became evident that he feels very strongly about etiquette. He may seem easy-going, but on the inside, he expects it and respects people that have good manners. He righty feels that it is not his place to teach or enforce etiquette. As the Soke, he should be able to just turn up at his dojo, teach, and leave. The general running of the dojo and the cleaning and maintenance should be done by others. That goes for things such as correct etiquette too. He said that the ’Shihan should handle this, and that because of my experience with dojo of other arts, I know how dojo SHOULD be treated’. Apparently, for that reason, I am the ‘perfect person to transmit it’.
Something he said today, incidentally, when I went back to his house after training, was “How can we expect to be taken seriously by the Japanese martial arts world if our basic dojo etiquette is so lax?”

I spoke about three points in the dojo today on Soke’s request. More will probably come up, but I think that this is a good start. I also feel that I may have to repeat the announcement once in a while, until it reaches the point where there are enough examples for new visitors to learn from, and so that it grows into a real part of our dojo culture. They may seem very basic…. Indeed, they are common sense to many people. But from what I have seen in the dojo recently, they are not known by everyone, and they need to be addressed.

1) Bowing in and out of the dojo.
Bowing in and out of any dojo in Japan is just ‘common sense’. You’ll even see the custom practiced outside the dojo, in such places as supermarkets and department stores. Staff members, as they leave the shop floor on break or at the end of their shift, at the ‘staff only’ door, will often turn around and bow to the shop before walking through the door. I have to admit that I myself sometimes became a little lazy in the old Honbu Dojo, sometimes neglecting to bow. With the new dojo under construction, I mentioned this to Soke, telling him that although I had sometimes been lazy, I had made it a new rule for myself after the new dojo was opened. We had a long discussion about it then, which continued last week. For him, bowing as you enter the dojo is essential to showing respect to the dojo. To Sensei, even bowing twice would not be bad: once at the entrance to the building, and once more when walking into the dojo proper… onto the mats. After some discussion, however, he conceded that the main entrance one is optional, but bowing as one enters the main training area is essential. As you cross over the threshold, stop, pause, bow, pause again… then walk into the dojo. At that moment, you are leaving the outside world behind you, and getting into ‘training mode’. The same when leaving.. Stop and bow. Take a moment to reflect on the fact that you came out of there safely, and are about to go back out into the real world.
It is only necessary to do this once when entering and once when leaving. If you have to go out to your bag, or to use the restroom, you don’t need to bow each time. Just when switching between training mode and outside mode.

2) Shoes in the doorway
This is based on a simple idea that ‘Inside is inside and outside is outside… and those two places are kept seperate'. When we are training in the dojo, we are wearing indoor footwear… usually tabi. Indoor tabi can have cloth or leather soles. Rubber-soled tabi, known as ‘jika tabi’ are for outdoor wear, and should never be worn in the dojo! Indoor footwear is for indoors, and outdoor footwear is for outdoors ONLY. The border is the wooden boards on the floor on the ‘genkan’ (entrance). The wooden boards are INDOORS. A few weeks ago, I arrived to find a bunch of shoes actually ON the boards! If you are wearing (indoor) tabi, don’t dirty the soles by going outside, and then tread that dirt back inside. If you want to sneak outside for a quick smoke, please put your shoes on! Again, once your tabi have been outside, please do not tread the dirt back in the dojo! And don’t step out of your shoes onto the (outside) floor, then step up. Step up directly from your shoes! The doorway in the new dojo is a little small, and sometimes you might have no choice but to take one step on the outside floor. It can’t be helped sometimes, but please try your best to avoid it.

3) The Shômen wall
The shômen (front) wall of the dojo contains the ‘kamiza’. The kamiza is regarded as a sacred part of the dojo and should be treated with respect. It is not a place for putting any personal effects. Nothing except the things that actually belong on it should be placed on the shelf. Under the kamiza in the new dojo is a kind of wooden-floored alcove. It is used as a little display area for statues etc., but it should be treated in the same way as the actual shelf on which the shrine sits. It is not a place for bags, drinks… and certainly not for people to walk, stand or sit in. Actually, the entire front wall is treated in the same way. In the new dojo, apart from the areas mentioned above, the remainder of the shômen wall is actually taken up with the training weapon storage closets, but even in the old dojo, where there was some space either side, the rule was that no personal effects should rest against the front wall. The side walls OK, but not on the front wall, which is regarded as an extension of the kamiza itself.

The above points were the ones mentioned today, but I would like to add a couple more - some things that I noticed today, which I feel warrant a mention.

Firstly, when a technique is being shown in the middle of the dojo, please be aware of your surroundings, and show some consideration to others who are also trying to see what is being shown. If you are right by the wall or there is nobody behind you, by all means remain standing. But if you take a little look over your shoulder and realise that people behind you may not be able to see properly, please duck down a little or kneel so they can see over you. Today, I was translating, so I usually try to get a little closer to Sensei. I am never standing at the back, but am usually kneeling at the front. Even so, I still had people standing right in front of me. A little consideration, please!

Secondly, if you’ve used dojo training weapons during training; rokushakubo, hanbo/fukuro shinai etc., please put them back where you got them after training. Someone always vacuums the floor after training (any volunteers to do that are always appreciated, by the way!). It is not their job but put away your weapons after training!

Anyway… I just wanted to let Facebook-land know the details of what was said in the Honbu Dojo today. Hopefully this also will help general etiquette awareness to people who may be visiting the Dojo in the future.

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