Der moderne Ninja - welche Bestimmung hat er?

Schauen wir doch zunächst zum besseren Verständnis zurück in die Vergangenheit.
Der historische Ninja (oder Shinobi) diente fast ausschließlich kriegerischen Zwecken. Die Clans schlossen sich dem Feldherrn an, der die beste Belohnung bot. Andererseits waren sie aber auch die Bewahrer des Gleichgewichtes, es konnte also durchaus sein, dass sie nicht dem Feldherrn mit dem meisten Geld zu Hilfe kamen sondern auf der Seite kämpften, von der sie der Meinung waren, es sei auf längere Sicht am Besten für die Familie, den Clan, das Land. Dabei musste sich der "ausführende" Ninja (Genin) keine Gedanken darüber machen, für wen er Partei ergriff, dafür war der Anführer des Clans (Jonin - Krieger-Philosoph) zuständig. In der Blütezeit der Ninja, den japnischen Bürgerkriegen, kannten die Genin ihren Jonin meist nicht, was Verrat erschweren sollte. Die Übermittlung der Aufträge oblag den Verbindungsleuten (Chunin). Soviel wie irgend möglich der Strukturen und der beteiligten Personen wurde geheimgehalten. Das war im Ursprung anders, auch die Aufgabe der Ninja war ursprünglich eine beratende, nicht die kämpfende Funktion.

Wie wir wissen, führte die Errichtung des Tokugawa-Shogunats zum Frieden in Japan. Dies wiederum führte dazu, dass die Masse der Ninja nicht mehr gebraucht wurde, praktisch überflüssig war. Schlimmer noch, der Shogun sah die Ninja nun als Bedrohung für sich selbst an. So wurden die Koga-Familien in das Spitzel- und Spionagesystem der geheimen Polizei (Ometsuke) integriert und gleichzeit überwacht. Sie wurden zum Instrument der Staatsführung. Alle anderen Ninja-Familien wurden gnadenlos verfolgt und vernichtet.

Nun, heute haben wir (momentan) keinen Bürgerkrieg, nicht in Deutschland jedenfalls und nur darum geht es in diesem Artikel. Welche Bestimmung also hat derjenige, der sich Ninja nennen will und das entsprechende Training absolviert, heute?

Ich sehe da im Wesentlichen die Aufgaben eines Beraters, Erziehers, Beschützers und - wenn notwendig - Kämpfers für die schwächeren Mitmenschen. Ninjutsu heute bedeutet Frieden stiften, den Menschen mit Achtung und Respekt entgegenzukommen. Und ja, es heißt auch Verantwortung zu übernehmen, wenn körperliche Hilfe gefragt ist. Doch der letzte Punkt ist nicht der Wichtigste, wichtiger ist es, Einfluss auf andere auszuüben, damit es gar nicht erst zu Auseinandersetzungen kommt. Dies fängt in der Familie an. Wenn ich heutzutage sehe, wie respektlos viele Kinder mit ihren Eltern - hauptsächlich den Müttern - umgehen, dann frage ich mich, ob diese Eltern sich in ihrer Rolle wohlfühlen. Ninjutsu bedeutet "Der Weg des ausdauernden Herzens" - diese Ausdauer haben die Menschen heute nicht mehr. Sie sind nach einem langen Arbeitstag genervt, selbst wenn sie arbeitslos sind, ist das nicht unbedingt beruhigend für die Nerven. Und dann fehlt ihnen die Ausdauer und die Ruhe, ihre Kinder gut und richtig zu erziehen. Nicht allen, aber doch (zu) vielen.

Ich erlebe es oft, wenn Jugendliche das erste Mal zum Training erscheinen. Sie hören nicht zu, sie reden dazwischen, sie sind laut, respektlos und unverschämt. Die anderen Schüler werden gestört, doch die, welche schon länger dabei sind, kennen das schon und wissen, dass dies nicht lange dauert. Es gibt zwei Möglichkeiten, solche Schüler zum Nachdenken zu bewegen - die sanfte Methode und die harte Methode.

Ich sage es gleich so, wie es ist: Die sanfte Methode führt selten zum Erfolg. Die ersten zwei Wochen in denen solche ungezogenen Kiddies zum Training erscheinen, rede ich viel mit ihnen - sofern ich zum Reden komme und nicht ständig unterbrochen werde. Dabei versuche ich zu ergründen, wo das Verhalten des Schülers seine Wurzeln hat. In den meisten Fällen ist es Unsicherheit und mangelndes bis nicht vorhandenes Selbstvertrauen. Nun gilt es, diese Wurzeln zu bekämpfen. Reden, reden, reden und genauso viel zuhören. Ich verrate dem geneigten Leser hier ein kleines Geheimnis (eigentlich ist es keines, nur können es heutzutage die wenigsten Menschen) - zuhören und das Gehörte analysieren und nutzen, das ist der Schlüssel zum Herzen und zum Verstand eines Menschen. Und schon sind wir wieder bei - Geduld. Und im weitesten Sinne ist dies genau die Vorgehensweise der (ursprünglichen) Ninja-Spione - zuhören, analysieren, nutzen.

Nun habe ich aber nicht nur einen Schüler und die anderen wollen lernen und trainieren. Das bedeutet, ich muss einen Kompromiss finden zwischen der Menge an Aufmerksamkeit, die ich einem einzelnen Schüler während des Trainings widme (besonders in der ersten Zeit wollen die meisten nach dem Training schnell weg, ich habe also nur die Trainingszeit) und der Aufmerksamkeit für die Gruppe.

Also kommt ab Woche drei dann die harte Methode zum Einsatz. Dabei "beantworte" ich dem Schüler seine ständigen Fragen nach "Aber wenn ich sowas mache oder anders reagiere oder dies oder jenes mache". Und diese "Antworten" fallen dann oft recht schmerzhaft aus - nicht für mich allerdings. Das ist nichts im Vergleich zu dem, was die Kinder der histirschen Ninja durchlitten haben, aber es ist ein effektiver Weg. Warum? Wenn dieser Schüler Woche drei und vier auf diese Art und Weise durchgestanden hat und immer noch zum Training erscheint, dann ist er bereit, zuzuhören und zu lernen. Anfangs aus Angst vor weiteren Schmerzen, mit der Zeit aber, weil sich bei ihm die Einsicht durchsetzt, dass es mit zuhören schneller und einfacher geht, zum Erfolg zu kommen.

Und ab diesem Punkt kann ich meiner eigentlichen Aufgabe nachkommen - meiner Bestimmung als "moderner" Ninja. Ich kann erzieherisch auf den/die Schüler einwirken. Ninjutsu ist weit mehr als schlagen, treten, hebeln - Ninjutsu ist die Philosophie des Friedens und der Friedfertigkeit. Als Lehrer habe ich die Verantwortung dafür, dass meine Schüler gute Menschen werden. Ich sage hier bewusst nicht, sie sollen "wertvolle Mitglieder der Gesellschaft" werden, diese Formulierung ist sowas von abgedroschen - und vor allem ist die Definition auch immer abhängig von der Gesellschaft. Mir genügt es völlig, wenn die Leute eben gute Menschen - nicht GutMenschen - werden. Sie sollen jedem anderen Menschen mit Achtung und Respekt entgegentreten, ihre Hilfe niemandem verweigern, der sie braucht. Sie sollen sich vor niemandem beugen, sich weder nach oben ducken noch nach unten treten.

Das sehe ich als die Aufgabe des heutigen Ninja: Die Welt etwas besser machen und das geht nur, indem man die Menschen besser macht - so gut es eben geht.

Wherever I go,
everyone is a little safer because I am there.
Wherever I am,
anyone in need has a friend.
Whenever I return home,
everyone is happy I am there.

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