Bujinkan – was war, was ist, was wird

Der folgende Text ist meine ganz persönliche Meinung. Teile davon sind möglicherweise auch geeignet, dass sich der eine oder andere beleidigt oder angegriffen fühlt – das ist nicht meine Absicht. Jeder sollte diesen Beitrag neutral als das betrachten, was er sein soll: Information und eben meine Meinung, die keinerlei Anspruch erhebt, die absolute Wahrheit zu sein. Auch werde ich keine Namen nennen, jeder wird wissen, ob er sich angesprochen fühlen sollte oder nicht.

Ich habe im September 1990 mit dem Ninjutsu angefangen. Mein damaliger Lehrer erzählte uns nichts von Bujinkan, Basics und dergleichen. Im Jahr 1992 fand ich dann das Bujinkan Deutschland und mir eröffnete sich ein völlig neues Verständnis für die Kampfkunst, die Hintergründe, die Geschichte und eben für das Bujinkan wie es Soke Hatsumi Masaaki gelehrt hat. Das war genau das, was ich gesucht hatte, eine große Gemeinschaft mit demselben Ziel, Freunde auf die man sich verlassen kann, Lehrer, die keinen Respekt forderten sondern ihn sich einfach verdienten. Und die ihren Schülern mit demselben Respekt entgegen kamen.
Ich hatte somit das große Glück, das Bujinkan so kennenzulernen, wie es sein sollte, wie es von Hatsumi Sensei gewollt war.

Wie das aber im Leben so ist, Soke musste Entscheidungen treffen, die ihm nicht leicht gefallen sein dürften. Als erste dieser Entscheidungen kam, dass die Shihane mit dem 15. Dan den Sakki-Test abnehmen durften. Als mir das bekannt wurde, hatte ich sofort ein ungutes Gefühl. Nach wenigen Wochen schon wurde aus dem Gefühl Gewissheit. Es ging nicht mehr um den Test, es entbrannte ein Wettbewerb unter den Shihanen, wer die meisten Shidoshis hat. Innerhalb kürzester Zeit gab es so viele Shidoshis wie Grashalme auf einer Wiese, überall liefen sie einem in die Arme. Und 80% dieser 5. Dane waren entweder im Kopf oder technisch nicht soweit, Shidoshis zu sein, bei vielen sah man in beiden Bereichen Defizite.
Für mich stand fest, ich würde keinen Sakki-Test ablegen, es sei denn, ich würde es noch nach Japan schaffen und den Test bei Soke persönlich machen können. Für mich ist eine Graduierung nichts, Können und Verständnis alles. Was ich auf Seminaren zu dieser Zeit teilweise an Schwarzgurten gesehen habe, sorry, aber einige meiner Schüler sind weiter und die werden noch sehr lange mit Kyu-Graden laufen. Letztendlich ist mir das egal, dafür trägt jeder von denen die Verantwortung, die diese Leute graduiert haben. Ja, Verantwortung – die trägt jeder Lehrer für seine Schüler. Von meinen Schülern tritt niemand zu einem Test an, von dem ich nicht überzeugt bin. Dazu gehört nicht nur Technik, dazu gehört das Gesamtpaket – Verständnis, Respekt, Zielstrebigkeit, Vertrauen in sich selbst, Mitgefühl und auch Technik, in dieser Reihenfolge.
Inzwischen habe ich für mich wieder einen Lehrer gefunden, dem ich vertraue und wenn der Mann sagt, ich soll mich hinsetzen zum Sakki-Test, dann werde ich das tun. Ich weiß von diesem Mann, dass er mich nicht hinsetzt um dem Kommerz oder irgendwelchem Wettbewerb zu frönen sondern ausschließlich deswegen, weil er der Meinung ist, ich wäre so weit. Ob er das in zwei, vier oder zehn Jahren sagt, spielt dabei gar keine Rolle für mich, er wird wissen, wann es soweit ist.

Im Jahr 2015 hat Soke ein großes Ziel erreicht – sein Ninjutsu wurde vom japanischen Kaiserhaus als Kampfkunst voll umfänglich anerkannt. Ein Jahr später musste sich dann auch die japanische Kampfsport Föderation fügen und die Kampfkunst als solche anerkennen. Das war ein sehr, sehr großer Schritt, besonders für Japaner. Ein Teil von ihnen kommt aus alten Samurai-Familien, die Anerkennung der Kampfkunst erlaubt es ihnen, ihre Familiengeschichte ganz neu zu erkunden und die Ergebnisse auch kund zu tun. Für den Rest der Welt bedeutet es für diejenigen, die Ninjutsu studieren, dass sie sich nun auch offiziell auf derselben Stufe bewegen wie Menschen, die Karate, Aikido, Kendo oder jede andere Kampfkunst trainieren. Für viele ist das nicht wichtig, für andere schon. Mir war es immer egal, dennoch ist es natürlich schön, wenn man anerkannt ist. Vor allem aber hat Soke Hatsumi sich damit seinen großen Traum erfüllt und sein großes Ziel erreicht.

Nun weiter im Geschehen. Soke hat nun den Shihanen auch das Reisen erlaubt. Und spätestens jetzt ist der Krieg ums große Geld endgültig ausgebrochen.
Bis zu dem Zeitpunkt als das alte Honbu Dojo abgerissen wurde, konnte jeder sehen, dass Soke jeden Cent, der aus den verschiedenen Quellen (Mitgliedskarten, Urkundengebühren usw.) vollständig dem Bujinkan zugute kamen. Soke hat nun alles abgegeben, er unterrichtet noch, mehr aber auch nicht. Jetzt geht es bei den Shihanen – nicht bei allen – nur noch um den Kommerz, ums pure Geld machen.
In verschiedenen Ländern sind die Kämpfe zwischen den Shihanen ausgebrochen, welcher japanische Shihan das Land bekommen soll, auch in Deutschland.
So hat sich einer der besten Lehrer in Deutschland um ein Seminar mit zwei japanischen Shihanen bemüht und es auch bekommen. Kaum wurde das bekannt, kam die Gegenveranstaltung durch einen anderen deutschen Shihan – von Einigkeit und großer Familie kaum noch eine Spur. Und so geht es weltweit zu, einer bemüht sich, andere zerstören es wieder.

Fazit

Das Bujinkan, wie es Hatsumi Sensei aufgebaut hat, gibt es praktisch nicht mehr. Einige wenige Shihane arbeiten weiter an unserem "alten" Bujinkan, wie ich es noch kennen und lieben gelernt habe. Mein jetziger Lehrer ist einer dieser Menschen und ich werde alles, was ich kann, tun um ihn dabei zu unterstützen. Dabei schließe ich jedoch nicht die Augen, ich werde sehen, sollte er von diesem Weg abweichen. Allerdings bin ich mir sehr sicher, dass er sich nicht wird beirren lassen und den Weg, den Soke vorgegeben hat, weitergehen wird.
Das bedeutet nun nicht, dass ich nicht auch zu dem einen oder anderen Seminar gehen werde, im Gegenteil. Ich muss sehen, was andere tun, nicht um sie zu beurteilen, das steht mir nicht zu, nur um zu wissen, was sich tut im Bujinkan.
Was Soke vom neuen Bujinkan hält, kann man aus seiner Antwort auf die Frage, was er vom neuen Honbu Dojo hält, erahnen: Er sagte wörtlich: "Es ist ein Ort zum Trainieren." Das hätte er vom alten Dojo niemals gesagt.
Der Name wird bleiben, es werden sich aber sehr verschiedene Auffassungen ausbreiten. Jeder muss für sich selbst entscheiden, welcher Strömung er sich anschließen will, es gibt dabei kein richtig oder falsch, kein gut oder schlecht. Diese Einschätzung ist vom jeweiligen Menschen, seinen Zielen und seinem Verständnis abhängig. Und ich werde mir nicht anmaßen, einen anderen für seinen Weg zu verurteilen, schließlich muss ich ihm nicht folgen, das wiederum ist meine Entscheidung.
Die Zeit wird zeigen, ob es uns gelingt, den Geist des alten Bujinkan zu bewahren. Noch trage ich den Bujinkan-Patch auf meiner Jacke, wenn dieser kaputt ist, werde ich den Patch tragen, mit dem auch Hatsumi Sensei einst angefangen hat – das Nin-Symbol.

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